Welt-Aids-Tag 2017: Positiv zusammen leben

20. November 2017

Mit HIV können Menschen leben, lieben, alt werden – weitersagen!
 
Heutzutage bedeutet ein HIV-positives Testergebnis, mit einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung gut weiterleben zu können.

Menschen mit HIV können bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie leben wie andere Menschen auch. Sie können in jedem Beruf arbeiten und ihre Freizeit gestalten wie andere auch. Eine erfolgreiche Therapie ermöglicht HIV-positiven Menschen nicht nur eine annährend normale Lebenserwartung, sondern sie schützt auch ihre Sexpartner*innen. Denn die Medikamente unterdrücken in allen Körperflüssigkeiten die Virusvermehrung, so dass keine HIV-Übertragung mehr möglich ist.

Die Wirkstoffe haben bei den meisten Menschen kaum noch Nebenwirkungen und häufig reichen ein bis zwei Tabletten am Tag aus.

Viel schwerer als die Infektion wiegt für HIV-Positive die Sorge, in ihrem Umfeld auf Vorurteile und Ausgrenzung zu stoßen. Denn leider sind Unwissen und unbegründete Ängste vor einer Ansteckung im Alltag oder Beruf längst noch nicht überall ausgeräumt. Häufige Folgen sind Zurückweisung und Diskriminierung, z.B. am Arbeitsplatz oder in der Familie. In manchen Zahnarztpraxen kommt es vor, dass HIV-positive Patient*innen keinen Termin bekommen oder immer nur den allerletzten. Im medizinisch-pflegerischen Alltag reichen Standardhygienemaßnahmen vollkommen aus, um jegliche HIV-Infektionsrisiken auszuschließen.

Für ein selbstverständliches Zusammenleben und Zusammenarbeiten ist es nicht relevant, ob ein Mensch HIV hat oder nicht!

Auf folgenden Seiten gibt's noch mehr Infos und Tipps für eigene Aktionen:

www.welt-aids-tag.de / www.facebook.com/Welt-AIDS-Tag

 

Niedrige Neuinfektionsraten - aber zu viele Spätdiagnosen

In Deutschland leben etwa 87.000 Menschen mit HIV. Diese Zahl steigt seit Jahren, weil nur noch relativ wenige Menschen an den Folgen der HIV-Infektion sterben.

Im Jahr 2016 infizierten sich, genau wie im Jahr 2015, rund 3.100 Menschen mit HIV; die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist damit weiterhin stabil und im europäischen Vergleich sehr niedrig. Der Anteil der am stärksten betroffenen Gruppe – schwule und bisexuelle Männer – ist in den letzten Jahren leicht gesunken. Ebenso ist die Zahl der HIV-Diagnosen bei Menschen, die nicht aus Deutschland stammen, im letzten Jahr zurückgegangen. Demgegenüber sind die HIV-Infektionen durch intravenösen Drogenkonsum gestiegen.

Fast ein Drittel der HIV-Diagnosen in Deutschland sind so genannte Spätdiagnosen – das bedeutet, dass die Menschen zum Zeitpunkt der Diagnose in vielen Fällen bereits an Aids erkrankt sind. Trotz flächendeckender HIV-Testangebote und gesicherter Behandlungsmöglichkeiten lebten sie zuvor jahrelang mit HIV, ohne es zu wissen. Noch immer ist Sexualität in manchen gesellschaftlichen Bereichen mit Tabus belegt, und noch immer führt das mit HIV/Aids verbundene Stigma dazu, dass sich Menschen nicht mit diesem lebensrelevanten Thema auseinandersetzen.

Tabus, Scham und Angst vor einem positiven Testergebnis halten Menschen vom HIV-Test ab – und damit von einer Therapie. Zudem denken Ärzt*innen oft nicht daran, einen HIV-Test anzubieten, wenn eine Patientin oder ein Patient nicht zu einer Hauptbetroffenengruppe gehört.

Die weltweite Organisation UNAIDS hat mehrere Sofortziele beschlossen, die es bis zum Jahr 2020 zu erreichen gilt – unter anderem die „90-90–90“-Ziele: 90 Prozent aller HIV-Positiven sollen von ihrer Infektion wissen, 90 Prozent aller Diagnostizierten sollen Zugang zu Behandlung haben, und bei 90 Prozent der Behandelten soll kein Virus mehr nachweisbar sein.

Deutschland kann für diesen Zielkorridor bereits gute Erfolge verbuchen:

86% der HIV-infizierten Menschen in Deutschland wissen von ihrer Infektion, 86% von ihnen nehmen täglich Medikamente gegen die Infektion, davon ist bei bei 93% die Behandlung so gut wirksam, dass HIV nicht mehr nachweisbar und nicht mehr übertragbar ist.