Unsere Medieninformation zum Welt-Aids-Tag

29. November 2019 +++ Sinkende Neuinfektionszahlen +++ weniger Spätdianosen +++ HIV ist unter Therapie nicht übertragbar +++ das Stigma endlich beenden! +++

Fast 90.000 Menschen leben in Deutschland mit HIV. Diese Zahl steigt seit Jahren, weil nur noch relativ wenige Menschen an den Folgen der HIV-Infektion sterben. Eine HIV-Infektion ist zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar. Eine frühzeitig begonnene HIV-Therapie ermöglicht ein gutes und langes Leben, denn die Therapie verhindert die Vermehrung der HI-Viren im Körper und stabilisiert das Immunsystem. Aids wird so dauerhaft verhindert. Die Wirkstoffe haben bei den meisten Menschen kaum noch Nebenwirkungen und häufig reichen ein bis zwei Tabletten am Tag aus.

SINKENDE NEUINFEKTIONEN + WENIGER SPÄTDIAGNOSEN

Simone Kamin aus dem Geschäftsführungsteam berichtet über die neuesten epidemiologischen Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI): „Es gibt einige erfreuliche Entwicklungen: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt seit 2015 kontinuierlich. Im Jahr 2018 haben sich 2.400 Menschen mit HIV infiziert, das sind etwa 100 weniger als im Vorjahr. Bei den Männern, die Sex mit Männern haben, der am stärksten betroffenen Gruppe, ist die Zahl der Neuinfektionen seit 2012 um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Hauptgrund: HIV-Infektionen werden in dieser Gruppe laut RKI in den letzten Jahren früher diagnostiziert und behandelt – und damit werden auch weitere Infektionen verhindert, denn eine behandelte HIV-Infektion schützt Sexpartner_innen zuverlässig vor einer Übertragung.“

Laut RKI leben insgesamt noch immer 10.600 Menschen in Deutschland unwissentlich mit HIV. Das UNAIDS-Etappenziel für das Jahr 2020, dass 90 Prozent aller Menschen mit HIV diagnostiziert sein sollen, verfehlt Deutschland noch (aktuell 88 Prozent).

Caroline Herberhold aus dem Geschäftsführungsteam erläutert: „Handlungsbedarf besteht u.a. im Gesundheitssystem: Viele Ärzt_innen denken nicht an die Möglichkeit einer HIV-Infektion, wenn Patient_innen nicht selbst darauf zu sprechen kommen und nicht zu einer der Hauptbetroffenengruppen gehören. Wir sind aber auf einem guten Weg: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Menschen, die zum Zeitpunkt der HIV-Diagnose bereits an Aids erkrankt waren, um fast 10% gesunken.“

HIV IST UNTER THERAPIE NICHT ÜBERTRAGBAR

Mit HIV zu leben oder mit einem HIV-positiven Menschen zusammen zu leben, kann heute ganz selbstverständlich sein.

Luca Siemens, Präventionsfachkraft bei der Göttinger AIDS-Hilfe und Leiter des ehrenamtli-chen Präventionsteams, erläutert die zentralen Botschaften, für die sich die Aidshilfe in der Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit stark macht: „Mit HIV kann man heute dank erfolgreicher Therapie gut und lange leben. HIV ist dann auch beim Sex nicht übertragbar. Menschen mit HIV können auf natürlichem Weg Kinder bekommen. Im alltäglichen Miteinander, bei der Arbeit oder beim Sport kann HIV sowieso nicht übertragen werden. All diese Informationen bedeuten für HIV-Positive und ihre Partner_innen eine riesige Erleichterung und helfen vielen anderen Menschen, unbegründete Ängste vor einer Übertragung abzubauen.“

Simone Kamin ergänzt: „Mit diesen Botschaften wird es immer besser gelingen, Diskriminierung und Stigmatisierung endlich zu überwinden. Für eine gute Lebensqualität HIV-positiver Menschen ist erstens die rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Infektion wichtig und zweitens ein informiertes, entspanntes und solidarisches Umfeld.“

Viel schwerer als die Infektion selbst“, beschreibt Caroline Herberhold, „wiegt für viele HIV-positive Menschen die Sorge, auf Vorurteile und Ausgrenzung zu stoßen. Leider findet Diskriminierung auch dort statt, wo man sie am wenigsten erwarten sollte – im medizinischen Kontext. In manchen Zahnarztpraxen kommt es vor, dass HIV-positive Patient_innen keinen Termin bekommen oder immer nur den allerletzten. Dagegen beziehen wir entschieden Position! Im medizinisch-pflegerischen Alltag reichen Standardhygienemaßnahmen vollkommen aus, um eine HIV-Übertragung auszuschließen. Unter HIV-Therapie sind ohnehin alle Übertragungsrisiken ausgeschlossen.“